Impuls: “Zukunft menschlich gedacht” – Menschlichkeit đ

Veröffentlicht von Torge KrÀmer
Dieser Text zum Thema Menschlichkeit ist Teil der Impulsreihe âZukunft menschlich gedachtâ. Ziel ist es, gemeinsam neue Blickwinkel auf die Apotheke zu öffnen â ehrlich, menschlich und auf Augenhöhe. Kein fertiges Konzept, sondern offene Impulse, die zum Mitdenken und Weiterspinnen einladen. đ
Menschlichkeit
Moin Ihr lieben Apotheken-Menschen,
in diesem Artikel geht es um Menschlichkeit.
Ein groĂes Wort, das oft gesagt und schnell beklatscht wird.
Und doch ist es genau dieses Wort, das mich seit dem ersten Tag von Apoanimo begleitet. Nicht nur als Schlagwort, sondern als innerer Kompass.
Auch ein Grund fĂŒr die Entstehung von Apoanimo ist, dass ich in einem Feld arbeiten möchte, in dem Menschlichkeit nicht nur auf der Website steht, sondern wirklich gelebt wird. Und genau das ist es, was ich in den Apotheken immer wieder spĂŒre.
Ihr helft tÀglich Menschen, unabhÀngig davon, ob sie reich oder arm sind, ob sie laut oder leise auftreten, ob sie Macht haben oder nicht.
Es geht bei Euch nicht um Prestige oder spÀtere Karrierevorteile.
Es geht um Menschen. Um alle Menschen.
Und genau das macht Apotheken fĂŒr mich zu sozialen Orten mit Haltung.
Zu Orten, in denen ich mich gerne bewege.
Zwischen Systemlogik und echtem Kontakt
NatĂŒrlich braucht eine Apotheke Strukturen. AblĂ€ufe. Regeln.
Ohne Beachtung der Systemlogik, also dem, was oft eher durch AblÀufe und Zahlen als durch Zwischenmenschliches bestimmt wird, funktioniert kein Betrieb.
Aber manchmal, und eventuell kennst Du das, hat man das GefĂŒhl, die Struktur ĂŒbernimmt das Ruder.
Dann ist keine Zeit fĂŒr ein GesprĂ€ch. Keine Luft fĂŒr einen zweiten Blick. Kein Raum fĂŒr das leise GefĂŒhl, dass da jemand gerade mehr braucht als eine Arbeitsanweisung oder ein Medikament.
Nicht aus bösem Willen. Nicht aus GleichgĂŒltigkeit.
Sondern, weil das System drĂ€ngt. Weil der Alltag drĂŒckt. Weil Menschlichkeit Zeit braucht und Systeme keine Pausen machen.
Und genau hier setzt meine Frage an:
Was wÀre, wenn wir dem Menschlichen bewusst mehr Raum geben? Nicht statt des Systems, sondern im Zusammenspiel mit ihm?
Menschlichkeit beginnt im Kleinen
Menschlichkeit ist nichts, was âeh schon da istâ.
Sie ist kein Etikett, sondern eine Haltung. Eine Entscheidung.
Sie zeigt sich nicht nur am HV-Tisch, sondern auch in der Art, wie wir im Team sprechen. Wie wir fĂŒhren. Wie wir zuhören. Wie wir mit Fehlern umgehen.
Vielleicht beginnt sie damit, nicht alles sofort wissen zu mĂŒssen.
Oder damit, einen Moment lÀnger stehen zu bleiben, wenn jemand etwas auf dem Herzen hat.
Oder mit einem Satz wie: âIch sehe, dass das gerade viel ist.â
Menschlichkeit ist oft leise. Aber sie bleibt.
Und manchmal verÀndert sie mehr, als jedes System es je könnte.
Ich weiĂ: Viele von Euch arbeiten lĂ€ngst ĂŒber der Belastungsgrenze. Mitarbeitenden-Mangel, BĂŒrokratie, Preisdruck und dazu das eigene Leben mit allem, was dazugehört. Gerade deshalb ist es oft so herausfordernd, Menschlichkeit im Alltag nicht nur zu meinen, sondern auch zu zeigen.
Aber genau hier liegt auch eine groĂe StĂ€rke:
Denn wer gesehen wird, kommt wieder. Wer sich verstanden fĂŒhlt, baut Vertrauen auf. Und wer merkt, dass jemand ehrlich interessiert ist, bleibt.
Vielleicht kennt Ihr das auch selbst aus anderen Lebensbereichen: Ob Kiosk, Friseur:in, CafĂ©, Ărztin/Arzt oder Werkstatt. Wenn man sich willkommen fĂŒhlt, bleibt man. Nicht nur wegen des Preises oder der Leistung, sondern wegen der Begegnung.
Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch
Mir geht es nicht darum, Apotheken zu kritisieren.
Im Gegenteil. Ich sehe, was Ihr jeden Tag leistet. Und auch wÀhrend meiner bisherigen Apothekenbesuche wurde ich wirklich sehr höflich behandelt.
Aber ich bin der Meinung, diese StĂ€rke von Euch ist es wert, noch mehr genutzt und gezielt ausgebaut zu werden. Denn ich glaube, dass Menschlichkeit nicht das ist, was ĂŒbrig bleibt, wenn das System es erlaubt.
Sondern das, was wir bewusst einbauen, auch wenn es manchmal unbequem ist.
Denn am Ende erinnern sich Menschen nicht an die Taktung.
Sondern an den Blick. Den Satz. Den Moment, der sich echt anfĂŒhlte.
Wie Menschlichkeit den Unterschied machen kann
Gerade im Umgang mit Kund:innen, Patient:innen und miteinander im Team kann Menschlichkeit spĂŒrbar werden. Zum Beispiel:
- durch kurze Momente echter Aufmerksamkeit
- durch eine Sprache, die verbindet statt verwaltet
- durch ruhiges Reagieren, auch wenn es turbulent wird
Das gelingt nicht immer. Das kann es auch gar nicht. Aber jeder kleine Schritt zÀhlt.
Mögliche Mini-Ăbung fĂŒr den Alltag:
Nehmt Euch in der nÀchsten Woche aktiv einen Moment pro Tag, in dem Ihr bewusst begegnet.
Vielleicht ein persönlicher Satz im GesprÀch mit einer Kundin. Vielleicht ein echtes Zuhören im Team. Vielleicht auch nur ein LÀcheln, das nicht automatisch ist.
Manchmal verÀndert so ein kleiner Moment mehr als man ahnt.
Menschlichkeit als Haltung, auch fĂŒr die Zukunft
Auch fĂŒr neue Dienstleistungen, die in Apotheken entstehen, wie etwa Impfangebote, Medikationsberatung oder persönliche GesundheitsgesprĂ€che, wird eines immer entscheidender: Wie menschlich fĂŒhlt sich das an?
Menschen entscheiden nicht nur rational. Sie entscheiden danach, ob sie sich sicher fĂŒhlen. Ob sie sich gut aufgehoben fĂŒhlen. Ob fachliche und menschliche Komponenten passen.
Und das ist etwas, das Ihr mitbringt, wenn Ihr es auch selbst als StÀrke wahrnehmt.
Menschlichkeit ist keine SchwÀche.
Sie ist eine QualitÀt. Eine Kompetenz. Und ein Versprechen, das die Apotheke der Zukunft auszeichnen kann.
Drei Fragen zum Mitnehmen
- Was war der letzte Moment, in dem sich ein Mensch bei Euch echt gesehen gefĂŒhlt hat?
- Was könntet Ihr im Alltag verÀndern, um noch mehr Begegnung statt Abwicklung zu fördern?
- Welcher Moment war fĂŒr Dich in letzter Zeit besonders menschlich im Apothekenalltag? Schreib ihn Dir auf oder teil ihn mit Deinem Team.
đŹ Wenn Du etwas ergĂ€nzen möchtest, Fragen hast oder einfach einen Gedanken teilen willst, schreib mir.
Apoanimo ist kein fertiges System. Es ist ein Raum. FĂŒr Menschen, Gedanken und neue Wege.
Weiter geht es in der Impuls-Reihe “Zukunft menschlich gedacht” mit dem Thema Perspektivwechsel.
Ich freue mich, wenn Du wieder dabei bist und vielleicht sogar einen Gedanken mitbringst.
Euer Torge đ
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