Impuls: “Zukunft menschlich gedacht” – Perspektivwechsel 💜

Veröffentlicht von Torge Krämer
Dieser Text zum Thema Perspektivwechsel ist Teil der Impulsreihe „Zukunft menschlich gedacht“. Ziel ist es, gemeinsam neue Blickwinkel auf die Apotheke zu öffnen – ehrlich, menschlich und auf Augenhöhe. Kein fertiges Konzept, sondern offene Impulse, die zum Mitdenken und Weiterspinnen einladen. 💜
Perspektivwechsel
Moin Ihr lieben Apotheken-Menschen,
wir leben in einer Zeit, in der Veränderungen schneller geschehen, als wir sie oft verarbeiten können. Lieferengpässe, Nachwuchssorgen, bürokratische Lasten, wirtschaftlicher Druck und zugleich der Wunsch, nah am Menschen zu bleiben. In all dem kann ein psychologisches Konzept eine stille, aber wirksame Hilfe sein: der Perspektivwechsel.
Was bedeutet Perspektivwechsel und was nicht?
Perspektivwechsel meint nicht, die eigene Haltung aufzugeben oder beliebig zu werden. Es ist die bewusste Entscheidung, die eigene Sichtweise zu verlassen, um eine andere Perspektive einzunehmen. Das kann die eines Menschen sein, wie die einer Kollegin, einer Kundin oder einer Bewerberin, aber auch die eines Systems, einer Interessengruppe, der Politik oder einer neuen Generation.
Psychologisch betrachtet ist Perspektivwechsel eine kognitive Fähigkeit. Sie erfordert Abstraktion, Reflexion und Selbstregulation. Aber sie kann trainiert werden. Besonders in komplexen oder konflikthaften Situationen ist sie Gold wert. Denn wo wir nur unsere eigene Wahrheit sehen, übersehen wir oft den größeren Zusammenhang.
Perspektivwechsel bei Apoanimo
Ehrlich gesagt basiert das gesamte Vorhaben bei Apoanimo auf Perspektivwechseln. Denn hier geht es darum, unsere Sichtweisen zu teilen, voneinander inspiriert zu werden und dazuzulernen. Auch ich persönlich springe aktuell oft von einer Perspektive zur nächsten, um das Projekt nachhaltig weiterzuentwickeln. Deshalb kommt es immer wieder zu Anpassungen in meinem Vorgehen.
Während ich anfangs noch versuchte, mein doch etwas komplexes Anliegen direkt im Apothekenalltag zu erklären, gehe ich es heute bewusster an. Denn wenn ich an Eurer Stelle im Tagesgeschäft stehen würde und plötzlich käme jemand mit einer neuartigen Initiative – ich wäre gedanklich vermutlich nur halb dabei. Und der nächste Patient wartet ja auch schon.
Deshalb habe ich mein Vorgehen angepasst: 3-4 Sätze, offen für Rückfragen, ohne Erwartungsdruck. Ohne Perspektivwechsel hätte ich diesen Schritt vermutlich nie gemacht. Und wahrscheinlich würde ich Euch heute noch ungewollt aus dem Flow reißen.
Perspektivwechsel im Apothekenalltag
In Apotheken prallen tagtäglich Welten aufeinander: Erwartungen, Bedürfnisse, Emotionen. Perspektivwechsel hilft, nicht sofort zu reagieren, sondern erst zu verstehen. Er öffnet den Blick für das, was hinter einer Haltung, einer Aussage, einer Entscheidung steckt.
- Eine Kundin ist ungehalten? Vielleicht ist es nicht der fehlende Saft, sondern die Sorge um das eigene Kind.
- Ein Kollege wirkt abweisend? Möglicherweise kämpft er gerade mit eigenen Unsicherheiten.
- Eine junge Mitarbeitende bringt neue Ideen ein? Perspektivwechsel heißt hier, nicht nur die „Naivität“ zu sehen, sondern auch das Potenzial.
Strategisch denken und menschlich bleiben
Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel ist oft unterschätzt. Dabei gehört sie zu den wichtigsten Kompetenzen für Führung, Kommunikation und Wandel. Diese Fähigkeit ermöglicht uns weitere Sichtweisen zu beachten und schafft somit eine ganzheitlichere Betrachtung. Besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten kann Perspektivwechsel strategisch wertvoll sein:
- Im Kund:innenkontakt führt er zu echter Bindung.
- Im Team stärkt er das Miteinander und verhindert Eskalationen.
- In der Führung schafft er Vertrauen und Identifikation
- Im Marketing ermöglicht er eine Kommunikation, die Menschen erreicht.
- In der Politik hilft er, Anliegen verständlich und anschlussfähig zu formulieren.
Einladung zur Übung
Ich lade Dich ein, Dir heute ein Thema aus Deinem Apothekenalltag noch einmal bewusst mit einer anderen Brille anzusehen. Vielleicht das Thema Lieferservice, ein Beratungskonzept zu einem bestimmten Arzneimittel, die Schaufenstergestaltung, den letzte Instagram-Post Deiner Apotheke, die elektronische Patientenakte oder auch ein anderer Bereich.
Wie würde jemand ganz anderes über dieses Thema denken? Nimm verschiedene Perspektiven ein – z.B. die einer 13-jährigen Schülerin, einer viel beschäftigten Geschäftsfrau (61), eines besorgten Vaters (37) von drei Kindern, einer bettlägerigen Patientin (72), einer Kollegin und aus Sicht der Apothekenleitung.
Betrachte das gewählte Thema aus den verschiedenen Perspektiven und versuche dabei Deine eigene Wahrheit so gut wie möglich außen vor zu lassen.
Beispiel Lieferservice:
- 13-jährige Schülerin: “Der Lieferdienst der Apotheke ist mir relativ egal. Meine Eltern kümmern sich.”
- Vielbeschäftigte Geschäftsfrau: “Super praktisch so ein Lieferservice, da ich es in meinem Alltag gerade zeitlich nicht in die Apotheke schaffe.”
- Besorgter Vater: “…”
Drei Reflexionsfragen zum Mitnehmen
- Wo könnte ein Perspektivwechsel mir helfen, weniger zu werten und mehr zu verstehen?
- Welche Stimme höre ich im Team zu selten und warum?
- In welchem Bereich meiner Arbeit sehe ich die größte Chance, durch Perspektivwechsel etwas zu verbessern?
💬 Wenn Du etwas ergänzen möchtest, Fragen hast oder einfach einen Gedanken teilen willst, schreib mir.
Apoanimo ist kein fertiges System. Es ist ein Raum. Für Menschen, Gedanken und neue Wege.
Im nächsten Impuls gehen wir noch einen Schritt weiter: Dann wird es nicht mehr nur darum gehen, andere Blickwinkel zu sehen, sondern darum, sich in Menschen wirklich hineinzufühlen. Perspektivwechsel trifft auf Empathie. Wir sprechen über: Perspektivübernahme.
Euer Torge 💜
Zur Einordnung:
In diesem Impuls wurde der Begriff Perspektivwechsel bewusst etwas vereinfacht verwendet. Er ist ein alltagstauglicher Ausdruck, der häufig pragmatisch als Synonym für die Fähigkeit genutzt wird, die Gedanken, Überzeugungen oder Absichten von anderen nachzuvollziehen. Aus psychologischer Sicht spricht man in diesem Zusammenhang präziser von kognitiver Perspektivübernahme. Die wissenschaftliche Differenzierung erfolgt innerhalb des Oberbegriffs Perspektivübernahme, je nachdem, ob es um kognitive (gedankliche) oder affektive (emotionale) Aspekte geht. Die Unterscheidung zwischen Perspektivwechsel und -übernahme ist also eine sprachlich-pragmatische, aber für die Alltagspraxis durchaus hilfreich.
Finde weitere spannende Themen
Ähnliche Artikel
Apoanimo – Das Herzensprojekt im Überblick 💜
Ein persönlicher Einblick in eine Initiative, die verbindet, zuhört und bewegt. Hier erhältst Du einen Überblick darüber, wie wir mit Apoanimo gemeinsam den Wandel in der Apothekenwelt gestalten können 💜
Apothekenliebe – Torges Einstieg in die Apothekenwelt 💜
Meine Apothekenliebe begann als einfacher Nebenjob – doch schnell wurde mir bewusst, wie unverzichtbar die Apotheke vor Ort für viele Menschen ist. Heute setze ich mich mit Apoanimo dafür ein, Apotheken und die Mitarbeitenden zu stärken. Gemeinsam gestalten wir den Wandel!
Apoanimo Update
Moin Ihr lieben Apotheken-Menschen,
diese Zeilen zu schreiben, fällt mir nicht leicht. Aber es ist an der Zeit:
Ich beende das Projekt Apoanimo, noch bevor es richtig durchstarten konnte.
Impuls: “Zukunft menschlich gedacht” – Kooperation 💜
Dieser Text zum Thema Kooperation ist Teil der Impulsreihe „Zukunft menschlich gedacht“. Ziel ist es, gemeinsam neue Blickwinkel auf die Apotheke zu öffnen – ehrlich, menschlich und auf Augenhöhe. Kein fertiges Konzept, sondern offene Impulse, die zum Mitdenken und Weiterspinnen einladen. 💜
Apoanimo in der Zukunft – Eine Bühne für Euch 💜
Ein kurzer Nachtrag zu „Apoanimo – das Herzensprojekt im Überblick“, um Euch einen weiteren Einblick in das Vorhaben zu geben.💜
Werde Teil unserer Gemeinschaft
Teile Deine Geschichte
Jede Geschichte zählt. Werde Mitglied bei Apoanimo und teile Deine eigenen Erfahrungen mit der Apotheken-Gemeinschaft. Gemeinsam können wir voneinander lernen, uns unterstützen und inspirieren. Tritt jetzt bei und mache den Unterschied.
Werde Teil unserer Gemeinschaft
Teile Deine Geschichte
Jede Geschichte zählt. Werde Mitglied bei Apoanimo und teile Deine eigenen Erfahrungen mit der Apotheken-Gemeinschaft. Gemeinsam können wir voneinander lernen, uns unterstützen und inspirieren. Tritt jetzt bei und mache den Unterschied.






0 Kommentare