Torges Reisetagebuch
Kapitel 6
Augenblicke, die bleiben đ

Veröffentlicht von Torge KrÀmer
Weniger Worte, mehr Wirkung: In der zweiten Runde durch Wandsbek zeigt sich, dass leise Begegnungen oft die stĂ€rksten sind. Zwischen kleinen Gesten, ehrlichen GesprĂ€chen und spontanen Momenten entsteht das, worum es bei Apoanimo geht: echtes Miteinander und stille Impulse, die nachwirken. đ
Willkommen bei Apoanimo on Tour! đ
Moin Ihr lieben Apotheken-Menschen,
zurĂŒck in Wandsbek. ZurĂŒck in einem Stadtteil, den ich schon gut kenne und der mir trotzdem wieder neue Seiten gezeigt hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit anderen Aufmerksamkeits-Schwerpunkten unterwegs bin und mich selbst gerade ein bisschen anders bewege. Noch weniger mit dem Kopf voller Worte und noch mehr mit offenen Augen. Und einem klaren Mindset: Diesmal soll es entspannter sein. Eher still als laut. Eher beobachtend als erklĂ€rend.
Denn ich habe etwas gelernt in den letzten Wochen:
Man muss nicht immer alles auf einmal sagen. Und schon gar nicht in einem Arbeitsumfeld aufdrÀngen, in dem der Kopf selbstverstÀndlich mit anderen Themen beschÀftigt ist. Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Mit einem kleinen Impuls und der Bereitschaft, den Rest offen zu lassen.
Zwischen Baustellen, BĂ€umen & Begegnungen đłđïž
Wandsbek war wie immer ein bunter Mix.
Zwischen alter und moderner Architektur, groĂen & kleinen WohnhĂ€usern, schönen grĂŒnen Ecken und den typischen âHier war ich doch schon malâ-StraĂen bin ich durch das Viertel geschlendert, und zwischendurch auch einfach mal nur beobachtend stehen geblieben.
Wandsbek bringt fĂŒr mich genau diese Mischung mit:
gelebte Stadt, unaufgerĂ€umter Charme und kleine grĂŒne RĂŒckzugsorte. Zwischen BaustellenlĂ€rm und Vogelgezwitscher.
Ich gehe an vertrauten StraĂenzĂŒgen vorbei, bleibe vor HauseingĂ€ngen stehen, sehe neue CafĂ©s an alten Ecken.
Und auch diesmal fiel mir auf, wie viel sich bewegt: Baustellen, neue GeschĂ€fte, Sticker der FuĂballfanszenen auf Ampelmasten, Graffitis, die Geschichten erzĂ€hlen.
Wer genau hinsieht und ein bisschen GespĂŒr fĂŒr Subkulturen mitbringt, merkt:
Wandsbek ist nicht beliebig.
Es hat Kante, hat Kontraste. Genau das mag ich.
Unterwegs in Hamburg-Wandsbek. Und immer wieder gerne hier đ
Rein, abgeben, raus â und trotzdem bleibt was đâ±ïž
Meine Tour durch die Apotheken lief diesmal nach einem neuen Prinzip:
kurz, freundlich und möglichst unaufdringlich.
Keine langen ErklÀrungen, keine Erwartungen.
Einfach nur reingehen, Apoanimo und mich maximal kurz vorstellen, den Flyer mitgeben und dann wieder raus.
Und siehe da:
So entsteht Raum zum Ankommen.
FĂŒr mich und vielleicht auch fĂŒr die Idee.
In einer Apotheke drehte ich mich beim Verlassen noch einmal um.
Ich sah, wie eine Mitarbeiterin kurz den Flyer aufklappte und lÀchelte.
Ein echtes, stilles LĂ€cheln. Kein groĂes GesprĂ€ch. Kein Feedbackbogen.
Einfach nur dieser kleine Moment. Und der hat mir Freude gemacht. Solche Augenblicke geben mir das GefĂŒhl, dass mein Projekt auch ohne LautstĂ€rke wirken darf.
Dass nicht alles sofort verstanden werden muss, aber vielleicht schon etwas spĂŒrbar wird:
Neugier. Interesse.
Oder einfach nur: Da war jemand, der hatâs gut gemeint.
Wenn es doch tiefer geht â GesprĂ€che, die bleiben đŹ
Und dann kam wieder dieser eine Moment, der aus einem kurzen Hallo ein lÀngeres GesprÀch machte.
Wir kamen ins GesprĂ€ch ĂŒber das System, ĂŒber Politik, ĂŒber zu wenig Zeit und viel Verantwortung.
Ăber das GefĂŒhl, dass VerĂ€nderung nötig ist, aber der Alltag kaum Platz dafĂŒr lĂ€sst.
Ich bin dankbar fĂŒr solche Begegnungen.
Weil sie mir zeigen, dass Apoanimo nicht bloĂ eine Idee ist, sondern eine Einladung.
An Euch. An mich. An uns alle.
Mal anders ĂŒber die Apotheke nachzudenken.
Denn ich will nicht einfach nur eine Plattform bauen.
Ich will zuhören. Verstehen. Impulse geben.
Und dann gemeinsam schauen, was daraus entstehen kann.
Ungeplante Begegnungen der Menschlichkeit đ€
In einem dieser ganz alltĂ€glichen Momente sprach mich plötzlich ein Jugendlicher an: Ob seine Schuhe gut aussehen wĂŒrden?
Kurz war ich irritiert. Kamera in der NĂ€he? Social-Prank?
Aber da war nichts. Nur dieser Junge, mit einer echten Frage.
Er erklÀrte, dass die Schuhe eine Nummer zu groà seien und er sich unsicher ist, ob das auffÀllt. Und ich fand das stark. Da steht jemand im Park und zeigt einem fremden Menschen eine kleine Unsicherheit. Kein Filter. Kein Bildschirm dazwischen. Einfach ehrlicher Kontakt.
Nicht auf Social Media fragen, sondern im echten Leben. Dass er mir, einem völlig Fremden, so offen begegnet ist, hat mich berĂŒhrt. Es braucht Mut, einem anderen Menschen seine Unsicherheit zu zeigen. Und genau darin liegt etwas sehr Menschliches. Wir alle kennen das GefĂŒhl, unsicher zu sein.
Und oft braucht es gar nicht viel, damit solche Gedanken sich ein bisschen kleiner anfĂŒhlen. Manchmal reicht ein ehrliches GesprĂ€ch.
Solche spontanen Begegnungen erinnern mich daran, wie wichtig echte RĂ€ume fĂŒr Austausch sind. Orte, an denen nicht alles perfekt sein muss. An denen Fragen erlaubt sind. Und an denen wir uns, vielleicht nur fĂŒr einen Moment, gegenseitig sehen.
Und genau deshalb seid ihr Menschen in den Apotheken so wertvoll fĂŒr die Gesellschaft. Ihr seid da, wenn es um mehr geht als Rezepte.
Ihr begegnet Menschen Tag fĂŒr Tag mit ProfessionalitĂ€t und Menschlichkeit.
Leise wirken â mit Herz đ
Diese zweite Runde durch Wandsbek war leiser, aber unglaublich echt.
Ich durfte viele unterschiedliche Apotheken erleben,
freundliche Gesichter sehen, kleine Gesten spĂŒren und Hamburg ganz bewusst wahrnehmen.
In Hamburg-Wandsbek und bei Euch bin ich einfach gern.
Und bei jeder Tour merke ich aufs Neue, wie wichtig Eure Arbeit fĂŒr unsere Gesellschaft ist.
Die Natur in Wandsbek genieĂen âïžÂ
Das motiviert mich weiterzumachen. Ganz entspannt, ohne Druck und ohne groĂe Erwartungen.
Denn ich bin nicht hier, um zu ĂŒberzeugen.
Ich bin hier, um zu begegnen.
Mit Neugier. Mit WertschÀtzung.
Und mit dem tiefen Wunsch, langfristig etwas zu bewegen.
đ¶ Mein Song der Woche
Neben meiner Leidenschaft fĂŒr Apotheken begleitet mich die Musik schon lange. Ich bin ĂŒberzeugt, dass sie uns die Möglichkeit bietet, in andere LebensrealitĂ€ten einzutauchen und neue Perspektiven zu gewinnen. Deshalb möchte ich Dir am Ende jedes Blogbeitrags einen Song vorstellen, der mich bewegt â sei es durch seinen Text, seine Geschichte oder einfach, weil er mich inspiriert.
Hinweis: Dieser Abschnitt erzÀhlt von persönlichen Erfahrungen aus einer verjÀhrten Lebensphase. Es geht nicht um Konsumverherrlichung, sondern um Reflexion, Weiterentwicklung und Offenheit im Umgang mit gesellschaftlichen Tabus.
Diese Woche: Augen leuchten von CĂLINE đ§
Musik ist fĂŒr mich wie ein RĂŒckspiegel. Manchmal reicht ein Song und plötzlich sind all die alten Bilder wieder da.
âAugen leuchtenâ von CĂLINE ist so einer.
Ich musste das Lied nicht zweimal hören, um es zu fĂŒhlen.
Weil es mich erinnert. An eine Zeit, in der ich selbst mit einem Bein im Club stand und mit dem anderen irgendwo im Graubereich.
Ich habe in meinem Leben viel ausprobiert.
Ich war neugierig, offen, ein bisschen wild. Kein Kind von Traurigkeit, wie man so schön sagt.
Und da diese Phase inzwischen lĂ€ngst verjĂ€hrt ist, darf ich heute auch einfach darĂŒber erzĂ€hlen. Nicht, um irgendwen zu verleiten, sondern weil sie dazugehört. Zu meinem Weg. Zu meinem Werden.
Ein Erlebnis hat sich dabei besonders eingebrannt
Ich war mit einem Busliner auf dem Weg zu einem Festival. Im GepĂ€ck: ein paar Gramm Cannabis und etwas MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin) fĂŒr den Eigengebrauch.
Mein damaliges Motto war einfach: Leben ist Erleben. Neue Erfahrungen, neue Welten, neue ZustÀnde. Nicht aus Sucht, sondern aus Neugier.
Doch kurz vor dem Ziel war plötzlich alles anders.
Die Kripo hatte eine Kontrollstation aufgebaut und den Bus rausgewunken.
Ein Polizist stieg ein, mit raumfĂŒllender Stimme und sehr autoritĂ€rer Ton. Keine Diskussion. Jeder im Bus spĂŒrte sofort: Jetzt ist Ernst.
Eine junge Frau, vielleicht 20 Jahre alt, stand unter TrĂ€nen auf und gab ihre minimale Menge Cannabis ab. Die reichte vielleicht fĂŒr zwei, drei Joints. Das war nicht mal ein Zehner.
Sie war einfach ehrlich und das wurde ihr zum VerhÀngnis.
Die Konsequenz: Sofort raus. Anzeige. Befragung. Ein Scherbenhaufen. Und das, bevor das Festival ĂŒberhaupt begonnen hatte.
Ich sah ihr an, wie tief sie das traf. Wie aus Vorfreude Angst wurde.
Und ich fragte mich: Was genau passiert hier gerade?
Sie hatte niemandem geschadet. Sie wollte niemanden gefĂ€hrden. Und doch wurde sie behandelt wie eine Schwerkriminelle. Wie eine Person, die eine Gefahr fĂŒr die Gesellschaft darstellt.
Diese Szene hat sich eingebrannt.
Auch ich musste raus, mein GepÀck auf einem Feld ausbreiten, warten, hoffen.
Der SpĂŒrhund schnĂŒffelte, die Polizist:innen wirkten wie auf der Jagd nach GroĂfisch, aber fanden nur kleine Lebensfragmente.
Am Ende hatte ich GlĂŒck. Der Hund schlug bei anderen an. Ich durfte wieder in den Bus.
Das GefĂŒhl? Machtlosigkeit. Und gleichzeitig Wut auf ein System, das zu wenig zwischen Mensch und Menge unterschied. Immerhin sind wir inzwischen bei dem Thema Cannabis etwas differenzierter geworden.
Ob ich die Zeit bereue? Nein.
Nicht, weil alles richtig war, sondern weil sie mich geformt hat.
Ich habe erlebt, was es heiĂt, stigmatisiert zu werden. Nur weil man sich fĂŒr etwas interessiert, das nicht ins System passt.
Ich habe gespĂŒrt, wie schnell man zum âAbschaumâ erklĂ€rt wird, obwohl man doch einfach nur neugierig aufs Leben war.
Heute gehe ich noch offener damit um.
Nicht aus Trotz, sondern um aufzuklÀren.
Ich bin kein Vorbild fĂŒr Konsum, aber ich glaube daran, dass ehrliche Erfahrungen manchmal mehr bewirken als jede Theorie. Ich bin jemand, der erlebt hat. Und gelernt hat.
Und ich bin bereit, offen darĂŒber zu reden, statt zu stigmatisieren.
Wenn Du Fragen hast, zu Drogen, Konsum, Repression oder auch zu Deinen eigenen Erfahrungen, melde Dich gern.
Denn ja, meine Augen haben geleuchtet.
Aber mein Bremslicht? Das war oft kaputt.
Heute bin ich langsamer unterwegs. Bewusster.
Aber das Leuchten trage ich noch in mir und vielleicht hilft genau dieses Leuchten dabei, neue Wege zu finden.
FĂŒr mehr Offenheit. Mehr VerstĂ€ndnis. Und weniger Verurteilung.
Wenn Du diesen Abschnitt gelesen hast und Fragen, Zweifel oder Kritik verspĂŒrst, melde Dich gern. Ich möchte offen und im echten Austausch bleiben. Denn nur so entstehen echte Begegnungen.
đ Wenn Du magst, kannst Du hier in den Song reinhören:
- đ” Spotify-Link
- đ„ YouTube-Video
đ§ Falls Du den Song gehört hast, lass mich wissen, was Du davon hĂ€ltst! đŹ Welcher Song inspiriert Dich gerade? Teile ihn gerne in den Kommentaren đ
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Euer Torge đ
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Dieser Text zum Thema Kooperation ist Teil der Impulsreihe âZukunft menschlich gedachtâ. Ziel ist es, gemeinsam neue Blickwinkel auf die Apotheke zu öffnen â ehrlich, menschlich und auf Augenhöhe. Kein fertiges Konzept, sondern offene Impulse, die zum Mitdenken und Weiterspinnen einladen. đ
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